Kunsttherapie2018-09-16T12:18:21+00:00

Kunsttherapie – Zugang zur Seele auf sanftem Weg

Der Mensch denkt in Bildern

Was ist Kunsttherapie?

Kunsttherapie ist eine psychotherapeutische Therapieform, die die Medien der Kunst (Malerei, plastisches Gestalten, Zeichnen, Fotographie etc.) für den Ausdruck von Gefühlen, Gedanken und Erlebnissen nutzt.

In der Therapie können Sie, mit therapeutischer Begleitung, Ihre inneren und äußeren Bilder ausdrücken und verarbeiten lernen, Ihre kreativen Fähigkeiten entwickeln und die sinnliche Wahrnehmung ausbilden. Mit Hilfe der Kunsttherapie lassen sich ungünstige und zur Erkrankung führende Muster positiv verändern.

Die Kunsttherapie hat jedoch nicht das Ziel, Kunst herzustellen. Es geht vielmehr darum, sich auf einen kreativen Prozess einzulassen, bei dem Sie in Berührung mit Ihrem eigenen Inneren kommen. Durch das kreative Gestalten wird Inneres nach Außen sichtbar. Erlebnisse, Traumata, Ängste etc. werden durch die sichtbare Gestaltung wahrnehmbar und besser begreifbarer. Tiefere persönliche Hintergründe und Lebenszusammenhänge können in eine sichtbare Form gebracht werden und damit deutlich und verstehbarer werden. Alte Verletzungen und die damit verbunden Gefühle und Schutzmuster dringen an die Oberfläche des Bewusstseins und können bearbeitet werden.

Die Kunsttherapie unterstützt Sie bei der Entfaltung der eigenen schöpferischen Kraft, die Lebensfreude und Lebensenergie vermittelt und hilft bei der Aktivierung von Selbstheilungskräften und individuellen Bewältigungsformen im Umgang mit Krisen und Krankheit. Die Kunsttherapie orientiert sich an den gesunden Anteilen des Menschen und seinen im gestalterischen und therapeutischen Prozess sichtbar werdenden Ressourcen.

Da jeder Mensch die Fähigkeit zur Kreativität besitzt, ist Kunsttherapie für jeden Menschen zugänglich. Es bedarf keiner künstlerischen Begabung um Gefühle in Formen und Formen umzusetzen und auszudrücken.

Die Kunsttherapie gehört zu den Kreativtherapien. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass das Gestalten von Bildern und andere künstlerische Tätigkeiten eine heilende Wirkung haben.

Die Kunsttherapie eine relativ junge Disziplin. Mittlerweile wird Sie nicht nur in psychosomatischen oder psychiatrischen Kliniken, sondern beispielsweise auch in Schulen um die individuelle Entwicklung zu fördern.

Wann wird Kunsttherapie eingesetzt?

Häufig stoßen Menschen an Grenzen, wenn sie traumatische Erlebnisse in Worte fassen sollen. Andere können schwere körperliche Krankheiten seelisch nur mühsam verarbeiten. Auch Erfahrungen im Rahmen von psychiatrischen Krankheiten lassen sich mitunter kaum verbal beschreiben

Als nonverbale Therapieform bietet sich die Kunsttherapie insbesondere in Bereichen an, in denen der Mensch einen Sprachausdruck ‚verweigert’ (sei es aus emotionalen oder anderen Gründen) oder diesem nicht mehr, bzw. noch nicht zugänglich. Im Bild können notwendige Voraussetzungen geschaffen werden, sprachliche Seiten des Menschen zu aktivieren. Kunsttherapie dient somit der Förderung des Kommunikations- und Interaktionspotentials.

Vor allem bei psychiatrischen und psychosomatischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen, Angststörungen und Essstörungen, oder bei Krebserkrankungen bedeutet die Kunsttherapie unter Umständen eine wertvolle Unterstützung. Auch in der Kinderheilkunde zur Förderung der individuellen Entwicklung und bei Erkrankungen alter Menschen (Geriatrie) kommt sie zum Einsatz.

Was macht man bei einer Kunsttherapie?

Wichtige Ziele in der Kunsttherapie sind, dass der Patient selbst kreativ aktiv wird und sich selbst besser kennen lernt. Als Voraussetzung dafür muss sich der Patient ungehemmt ausprobieren können. Die Werke, die in der Kunsttherapie entstehen, werden daher nicht bewertet. Der Patient soll sich frei von Konventionen und ohne Angst vor Fehlern ausdrücken.

Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. In der Kunsttherapie kommen verschiedene Techniken und Materialien zum Einsatz. Es können im klassischen Sinn Bilder mit Pinsel, Stift oder auch den Händen gemalt werden. Es werden aber auch Ton, Stein, Holz und viele weitere Materialien zum Gestalten verwendet.

Beziehungsaufbau

Wie in jeder Therapie muss zunächst eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Therapeut und Patient aufgebaut werden. Eine gute Beziehung trägt maßgeblich zu einem erfolgreichen Therapieverlauf bei.

Problemerkennung

Der Vorteil der Kunsttherapie ist, dass der Ausdruck von inneren Zuständen zunächst ohne Worte auskommt. Dennoch spielt das Gespräch zwischen Kunsttherapeut und Patient eine wichtige Rolle.

Das Bild oder die Plastik können immer wieder aus neuen Perspektiven betrachtet werden und schafft Distanz zu den Problemen. In der Kunsttherapie werden die Kunstobjekte weder bewertet, noch gedeutet. Der Kunsttherapeut hilft dem Patienten im Gespräch, seine Bilder oder Plastiken besser zu verstehen und damit eigene Ressourcen und Lösungswege zu erkennen.

Im Einzelgespräch erforscht der Therapeut die Bedeutung des Werkes, indem er den Patienten nach seinen Gefühlen befragt: Welche Gefühle oder Gedanken sind während des Schaffens aufgetreten? Was gefällt an dem Kunstwerk? Was möchte der Patient verändern? Der Patient kann dadurch tief in seine Innenwelt eintauchen, seine Perspektive erweitern und neue Anregungen erhalten.

Problembewältigung

Die Kunsttherapie soll dem Patienten nicht nur dabei helfen, Probleme zu erkennen, sondern diese auch zu bewältigen. Die Kunsttherapie greift dazu auf Techniken von tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutischen oder anderen Verfahren zurück.

Um neue Bewältigungsmöglichkeiten zu finden, dient den Kunsttherapeuten nicht nur das Gespräch, sondern auch die Arbeit mit Kunstwerken. Oft empfinden die Patienten bereits die Möglichkeit, sich in Farbe und Form ausdrücken zu können, als Entlastung.

In jedem Bild stecken nicht nur Probleme, sondern auch Möglichkeiten des Fortschrittes und der Lösung. Diese im therapeutischen Gespräch herauszuarbeiten, ist die Kunst der Kunsttherapie. Eine erste Veränderung kann der Patient bereits in den Bildern oder Plastiken umsetzen. Er kann beispielsweise Änderungen an seinem Werk vornehmen, Farben und Formen verändern und Symbole hinzufügen.

Die Kunsttherapie bietet ein weites Spektrum an Möglichkeiten. Durch die vielen unterschiedlichen Methoden und Materialien findet fast jeder Patient einen kreativen Ausdruck, der ihm liegt. Der Kunsttherapeut regt die Patienten aber auch dazu an, neue oder ungewohnte Farben, Materialien oder Gestaltungsweisen auszuprobieren. Neue Wege zu gehen, stärkt den Patienten in der Problemlösefähigkeit.

Welche Risiken birgt eine Kunsttherapie?

Der Kunsttherapeut muss nicht nur ein breites Wissen und Fertigkeiten im künstlerischen Bereich haben. Im therapeutischen Kontext sind psychotherapeutische Kenntnisse entscheidend. Kunsttherapeuten, denen dieses Wissen fehlt, können die Patienten schnell überfordern.

Bilder oder Plastiken können schmerzhafte Erinnerungen hervorrufen. Vor allem bei psychischen Störungen, aber auch bei Demenz kann eine emotionale Überforderung negative Folgen für den Therapieverlauf haben. Eine mögliche Folge ist, dass sich der psychische Zustand des Patienten verschlechtert. Ein erfahrener Kunsttherapeut wird diese Veränderungen im Patienten bemerken und die Probleme behandeln.

Was muss ich nach einer Kunsttherapie beachten?

Nach einer kunsttherapeutischen Sitzung ist es sinnvoll, die Therapiestunde auf sich wirken zu lassen. Gefühle und Gedanken, die währende der Kunsttherapie auftauchen, benötigen einige Zeit zur Verarbeitung.

In manchen Fällen verschlechtert sich der Zustand der Patienten nach der Therapiesitzung. Wenn die Verschlechterung nur kurzfristig ist, besteht jedoch kein Grund zur Sorge. Die Auseinandersetzung mit schmerzhaften Gefühlen ist der erste Schritt für eine positive Veränderung. Bestehende Ängste oder Sorgen sollten Sie mit Ihrem Kunsttherapeuten besprechen.